Stufen der Annäherung an Gott bei Teresa von AvilaDer hier spürbare Anflug von Ironie und liebevoll gemeinter (auf Johannes vom Kreuz gemünzter) Kritik ist für Teresa, die erhabene Autorin der Moradas (Seelenburg) und des Camino de perfección. (Weg der Vollkommenheit), bezeichnend. Er gewährt Einblick in die menschlich so anziehende Seite ihres Wesens: ihren gesunden Realismus und Humor. Daß diese Frau - von der es hieß, sie habe jedem, der ihr begegnete, den Kopf verdrehte3 - eine Heilige, eine Mystikerin und Kirchenlehrerin sein soll, mag verwundern. Ab 1563 nannte sie sich selbst Teresa de Jesús. Ihr Name war gleichsam ihr christozentrisches Programm, mit dem sie darauf hinwies, auf wen allein sie sich - ihr Leben und ihr Werk - bezogen haben wollte. Fray Luis de León berichtet von ihr im Vorwort zur Erstausgabe ihrer Werke (1588), daß sie die Herzen aller gewann, die ihr begegneten ... Sie zog ganz einfach die Menschen hinter sich her, selbst gegen die Schwachheit der sich sträubenden Natur.4 Und in unserem Jahrhundert wurde vermerkt, nahe Verwandte hätten Luis de León bestätigt, daß das Weltkind und der Heilige, der Mann der Gesellschaft und der Asket, die Ältesten wie die jüngsten von ihr gefangengenommen, bezaubert wurden.5 Diese Faszination sollte 400 Jahre nach ihrem Tod bis hinein ins 20. Jahrhundert wirksam bleiben. Die 1970 erfolgte Erhebung in den Stand der Kirchenlehrerin war dann auch mehr als eine noble Geste: Nach immerhin 32 Doctores Ecclesiae wurden zum ersten Mal in der Geschichte der Kirche zwei Frauen, Teresa von Avila und (eine Woche später) Catarina von Siena, für alle folgenden Generationen von Gläubigen als Wegweiser aufgestellt.
Letzte Änderung am 19. März 1999 um 16:00 |