Die Frau Teresa


Wer war diese Teresa? Wie sieht ihr äußerer und ihr innerer Weg mit seiner stufenden Annäherung an Gott aus? Was sind die Grundlinien ihres Suchens? Welche Elemente ihrer Gotteserfahrung und ihres Da-Seins im Spanien des Siglo de Oro, des (gar nicht so) „goldenen Jahrhunderts“ können uns heutigen Weltbürgern noch Interesse entlocken oder gar zur Beschauung führen?

Annäherung an Gott

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eresa Sánchez de Cepeda y Ahumada wird am 28. März 1515 als sechstes von zwölf Kindern in Avila (Kastilien) geboren. 1516 geht die Herrschaft von Ferdinand und Isabella, den Katholischen Königen, zu Ende. Unter ihrer Regentschaft hatte das unerbittliche Auge der „Heiligen Inquisition“ über die Reinhalturig des katholischen Glaubens gewacht. Teresas Kindheit ist geprägt von Frömmigkeit und Entschlossenheit, den Himmel zu erringen, und zwar - wie sie selbst andeutet - um jeden Preis (Vida 1, 5).

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hre Mutter Dona Beatriz de Ahumada entstammt altkastilischem Adel. Die Abstammung väterlicherseits - ihr Großvater Juan Sánchez de Toledo hatte erst 1485 konvertiert - reiht Teresa in die Zahl der sogenannten Conversos ein, der bekehrten Juden, denen ein „gewisser Hang zur Innerlichkeit und Weltverachtung“6 nachgesagt wird.

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iese weltabgewandte Haltung Teresas ändert sich schlagartig, als sie 12- oder 13jährig die Mutter verliert. Fortan auf Schönheit sowie auf weltliche Vergnügen und allerlei Zeitvertreib bedacht, sieht sich ihr Vater Don Alonso Sánchez de Cepeda veranlaßt, sie mit 16 Jahren in das von Augustinerinnen geführte Internat Santa Maria de Gracia zu steckken. Durch ihr gewinnendes Wesen erobert sie dort in Windeseile die Herzen. Ihre bislang ausgeprägte Abneigung gegen den Ordensstand mildert sich ganz allmählich.

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m 2. November 1535 tritt Teresa in den Karmelitinnenkonvent von der Menschwerdung (Encarnación) in Avila ein. Der Wechsel der Lebensform und vor allem schwere innere Kämpfe werfen Teresa auf das Krankenlager, so daß ihr Vater bei einer Quacksalberin in Becedas, einer curandera, Rat holt. Auf dem Weg dorthin machen sie Station beim Bruder des Vaters, Don Pedro Sánchez de Cepeda.

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ier fällt Teresa jenes Buch in die Hände, das für ihr mystisches Erleben von ungeheurer Bedeutung werden sollte: das „Tercer Abecedario Espiritual“ („Drittes geistliches Abc“) des Franziskanerpaters Francisco de Osuna, eine Einführung in das sogenannte innere Gebet.

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n Teresa beginnt sich eine Wandlung abzuzeichnen. „Seine Majestät“ - so nennt sie Gott - „begann mir viele Gnaden zu erweisen ... Ich versuchte, so gut ich konnte, Jesus Christus immer in mir gegenwärtig zu halten. Dies war meine Art und Weise zu beten“, schreibt sie in ihrer mit „Vida“ („Leben“) betitelten Autobiographie (4,7.8). Das Leben, die Menschheit Christi, seine Passion und sein Tod werden von nun an Gegenstand ihrer Reflexionen und ihres liebenden Versenkens.
Im April 1539 hatte sich Teresa den Heilungsversuchen der curandera unterzogen, im Juli desselben Jahres kehrt sie körperlich ruiniert und dem Tod nahe in die Encarnación zurück. Etwa drei Jahre lang bleibt sie gelähmt, unfähig, auch nur die geringsten Bewegungen auszufahren.

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ach der Wiederherstellung ihrer Gesundheit unterhält sie, den Gewohnheiten des Klosters gemäß, sehr regen Kontakt zur Außenwelt. Ihr bezauberndes Naturell und ihr feuriges Herz ziehen die Besucher auch noch am Sprechgitter an. „Fast 28 Jahre“, bekennt sie selbst, „war es ein ständiges Fallen und Wiederaufstehen. Es war ein schlechtes Aufstehen weil ich auch immer wieder fiel. Denn weder erfreute ich mich Gottes, noch fand ich in diesen Kontakten zur Welt meine innere Ruhe. (Vida 8,3).

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a geschieht 1554 das Unerwartete: Vor einem Bild Christi, das diesen als Schmerzensmann zeigt, wird Teresa angerührt, aufgewühlt, bis sie - in Tränen aufgelöst - sich vor ihm niederwirft und gelobt, von nun an nur noch Ihm zu leben. Dieses Erlebnis einer Konversion wird zum Beginn eines neuen Weges radikaler Selbstaufgabe, der zu ungeahnten Höhen mystischer Vereinigung führen sollte. Immer wieder von neuem ist Gott selbst derjenige, der die Initiative ergreift. Teresas Ant-Wort ist sie selbst: die Hingabe ihrer Kräfte, ihrer Zeit und vor allem ihres liebebedürftigen Herzens. Denn Beten ist gemäß ihrer eigenen Aussage „nichts anderes als ein Gespräch mit einem Freund, mit dem wir oft und gern allein zusammenkommen, um mit ihm zu reden, weil wir sicher sind, daß er uns liebt“. (Vida 8, 5).

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us dieser neuen Erfahrung wird Teresa de Ahumada zur Teresa de Jesús, ganz die Seine. Fortan ist es nur konsequent, wenn sie auch nach Wegen und Mitteln sucht, diese ihre innere Erfahrung anderen, zunächst ihren Mitschwestern, mitzuteilen. Dies ist der eigentliche Antrieb ihrer Reformpläne, die sie trotz aller Widerstände und Strapazen mit der Gründung von 17 Reformklöstern (beginnend 1562) verwirklicht.

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mmer aber und besonders auf dem Höhepunkt ihrer rastlosen Gründungstätigkeit wird Teresas Leben von jener „unaussprechlich“ zu nennenden Erfahrung einer innigen, intimen Freundschaft mit Gott bestimmt, den sie in ihrem Innern, aber auch im Umgang mit der Welt erfährt. Sie erlebt so die Nähe seiner Menschheit in wachsendem Vertrautsein.

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s geht Teresa dabei wie allen Mystikern: Sie ringt um den Ausdruck des Unerhörten, das ihr widerfährt. Auf Geheiß und im Gehorsam zu ihren Beichtvätern läßt sie uns in Wort und Schrift an jener Erfahrung teilhaben. Es entstehen Werke, die zum Schönsten der spanischen Literatur zählen und uns heute in vielfachen Ausgaben und in viele Sprachen übersetzt zugänglich sind.



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Copyright © 1999 Pfr. B. Dietrich und Dr. M. Schwarten
Letzte Änderung am 19. März 1999 um 16:00