Stufen zu Gott


Diese Blitzlichter auf Teresas äußeren Lebensweg - ihre Lebensringe - lassen bereits anfanghaft die Bipolarität ihrer Suche erkennen. Diese ist sozusagen die menschliche Grundlage ihres beschaulichen Daseins.

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as Ausreißmanöver der Achtjährigen (vgl. Vida 1, 5), die sich ins Land der Moros, der Mauren, begeben will (sie stiftet dazu ihren Lieblingsbruder Rodrigo an), auf daß ihnen dort aus Liebe zu Gott die Köpfe abgeschlagen würden, zeigt schon eine „determinada determinación“ (Cam. de perf. 35,2), eine felsenfeste Entschlossenheit. Bald darauf sucht sie die Ehre, will gefallen, will lieben und geliebt werden. Vor allem aber und immer wieder sucht sie Ehre.

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n ihrer „Vida“ berichtet sie vom schlechten Umgang mit einer gleichaltrigen Verwandten und sagt: „Bis dahin hatte ich meines Erachtens durch keine Todsünde Gott verlassen, noch die Furcht vor ihm verloren, mehr jedoch war ich für meine Ehre besorgt, und diese Ehre bewirkte, daß ich sie nicht ganz verlor. Ja, ich hielt so viel auf meine Ehre, daß ich glaube .... es wäre nie die Liebe einer Person in der Welt imstande gewesen, mich zur Nachgiebigkeit zu bewegen“. (2,3).

Obgleich dieses Zitat eher eine Zurücksetzung der Liebe gegenüber der Ehre belegt, war Teresa doch zeit ihres Lebens ein liebebedürftiger und ein liebeverströmender Mensch.7 Diese ihre Begabung voll zu entfalten, war ihr Ziel, bis sie nach langen fahren des Kampfes merkt, daß nicht die Zerstörung dieser Liebesfähigkeit, sondern ihre Erfüllung im Sichverschenken an Gott und an die Mitmenschen von ihr gefordert ist. „Auch hatte ich in einem anderen Kloster eine sehr innige Freundin [Juana Suarez], deshalb wollte ich, wenn ich je Nonne werden sollte, nur ihr Kloster wählen. Ich sah also mehr auf das, was meiner Sinnlichkeit und Eitelkeit zusagte, als was zum Heil meiner Seele gewesen wäre“, (Vida 3,2).

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mmer und zu allen Zeiten ihres Lebens muß Teresa, wie schon erwähnt, faszinierend auf ihr jeweiliges Gegenüber gewirkt haben. Und doch ist ihr diese Liebesfähigkeit auch immer wieder zum Fallstrick geraten, der sie am „mystischen Höhenflug“ hindern und in eine dauernde Kampfsituation bringen sollte.

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in weiterer typischer Wesenszug ist Teresas schon früh dokumentiertes Interesse an Abenteuern und großen Taten. „iPara siempre, siempre, siempre!“, - für immer, immer, immer - (Vida 1, 5) pflegt sie dabei zu wiederholen und sich und anderen Mut zu machen. Genährt wird diese Grundlage durch die bei der Mutter gefundenen Ritter- und Abenteuerromane, die sie beide - gegen den Willen des gestrengen Ehemannes und Vaters - buchstäblich verschlingen: „Ja, so sehr war ich in diese Neigung verstrickt, daß ich mich unzufrieden zeigte, wenn ich nicht immer wieder ein neues Buch hatte“ (Vida 2, 1).

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o entsteht in ihr der Drang, immer Neues und immer Größeres zu erfahren. Er wurde wohl begünstigt durch die familiären Verhältnisse: Ihre Brüder brechen einer nach dem andern (von fünfen wissen wir es sicher) „para las Indias“, in die „Neue Welt“ auf, um dort für Land und König zu kämpfen.8 Erst als Teresa seit 1554 (dem Jahr ihrer Bekehrung) nach und nach den Blick nach innen und auf Ihn richtet, erfüllt sich dieser Hang zum Großen, zum Nie-da-gewesenen endgültig, aber auf andere Weise: Sie läßt sich ein auf das Wagnis, das Gott heißt.

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ingetaucht in die Abgründe mystischen Geschehens, wird sie gleichzeitig zu höchster Aktivität getrieben. Das beweisen nicht zuletzt neben ihren aufreibenden Klostergründungen ihre mystischen Schriften und die stattliche Zahl von etwa 15000 Briefen. Man kann sagen, Teresa sei die inkarnierte Kommunikation zwischen Gott und den Menschen.

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chon vor 1554 erfährt Teresa wiederholt göttliche Gunstbezeigungen und Zeichen seiner Nähe. Stufenartig nach innen führt jetzt dieser Weg, hin zu jenem Seelengrund, „wo die tief geheimnisvollen Dinge zwischen Gott und der Seele vor sich gehen“ (1 Mor. 1, 3). Dennoch ist es nicht die heute so weitverbreitete Sucht nach Selbstbespiegelung, sondern eine im Raum der Kirche verankerte Gotteserfahrung. Die dialogische Struktur dieser Erfahrung gibt ihr ebenso Demut wie Sicherheit: Sie birgt ständig das Risiko des Mißverstandenwerdens, schenkt aber auch Geborgenheit. Teresa spricht mit ihren geistlichen Beratern, sie vertraut sich immer wieder neu der amtlichen Kirche an.

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chließlich schreibt sie - im Schreiben dialogisiert sie ständig - für ihre Mitschwestern. Der Dialogpartner schlechthin jedoch ist „Su Majestad“ „Seine Majestät“ Gott. Vor ihm ist sie bereit, die vielzitierte „honra“, die Ehre, aufs Spiel zu setzen, denn nunmehr gelten neue Maßstäbe von Werten.
Ihre mystagogischen Schriften gehen bruchlos in jenes Beten über, das sie als den freundschaftlichen Umgang mit Christus bezeichnet hat.

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chon im „Geistlichen Abc“ Osunas war sie auf das Phänomen der „Humanidad de Cristo“, der Menschheit Christi, aufmerksam geworden. Die theologische Lehrmeinung der Zeit ist auf das Gegenteil, die reine Vergeistigung der Beschauung, fixiert.

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eresa muß mit ihrer Erfahrung sehr einsam dagestanden haben, wie aus ihrer Autobiographie herauszuhören ist: „Ich will hier etwas besprechen, was mir sehr wichtig erscheint. Wenn Euer Gnaden es gut halten, mag es Ihnen zur Unterweisung dienen, die Sie vielleicht brauchen können. In einigen Büchern, die vom Gebet handeln, heißt es nämlich, die Seele könne ... durch Erhebungen des Geistes über alles Geschaffene ... in jenen Stand gelangen, von dem bisher die Rede gewesen ... Ich weiß zwar nicht recht, was jene Lehrer unter dem Weg der Erleuchtung verstehen - ... sie raten jedoch dringend, sich von jeder körperlichen Vorstellung loszumachen ... Denn, so sagen sie, diese Vorstellungen, selbst jene von der Menschheit Christi nicht ausgenommen, würden diejenigen, die schon so weit vorangeschritten sind, an der vollkommenen Beschauung hindern ... Man solle sich darum von allen Seiten mit Gott umgeben und ganz in Ihn versenkt betrachten. Dies scheint mir allerdings bisweilen gut zu sein; aber sich ganz von Christus abzuwenden..., das kann ich nicht ertragen“ (Vida 22. 1).



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Copyright © 1999 Pfr. B. Dietrich und Dr. M. Schwarten
Letzte Änderung am 19. März 1999 um 16:00