Stufen des Weges


Werfen wir nun einen Blick auf den Kern teresianischer Spiritualität, auf die Stufen ihres mystischen Weges. „Mystischer Weg“, „mystischer Aufstieg“, „mystische Stufen“ sind häufig auftauchende Begriffe.

S
ie zeigen an, daß Geschenk und Gnade keinen Gegensatz zum persönlichen Bemühen innerhalb der Entwicklung bilden. Teresa hat ein eigentümliches Bild für dieses Zusammenwirken von Gnade und Bemühung gefunden, das im Laufe ihres Lebens aus verschiedenen Visionen, aber auch durch mystische Lektüre und Bibelkenntnis entstand.

S
ie nennt es „Las Moradas del Castillo interior“. „Wohnungen der inneren Burg“, bisweilen auch nur kurz „Wohnungen“ oder „Innere Burg.“ Diese Burg, die eine Allegorie der ganzen menschlichen Innerlichkeit sein will, hat eine ungewöhnliche Struktur: Sie gleicht einem Kristall, in dessen Mitte Gott als liebender, herrlich geschmückter Bräutigam wohnt und sein Licht aussendet, sofern nicht die Seele - wie Teresa sagt - durch Sünden dieses Licht verdunkelt (1 Mor. 2).

E
s geht für die Mystiker zuerst darum, in diese Burg hineinzukommen. Der Mystiker ist ein Kontemplativer. Der Schlüssel, der das Eingangstor öffnet, ist das Gebet (vgl. 1 Mor. 1). Es ist aber nicht einfach, sich in den vielen Wohnungen zurechtzufinden, die ineinander, nicht nebeneinander angeordnet sind.

T
eresa beschreibt den Weg zur Mitte mit sieben Stufen entsprechend einer verbreiteten Tradition. Doch im Epilog fügt sie hinzu, es gäbe noch viel mehr Wohnungen. Zudem könne man nicht nach einer festen Ordnung voranschreiten, quasi schnurstracks auf die Mitte zu.

F
ür ihre Mitschwestern resümiert sie an der gleichen Stelle: „Freilich könnt ihr nicht in alle Wohnungen durch eigene Kraft gelangen ..., wenn nicht der Herr der Burg euch selbst hineinführt“. Sie empfiehlt, „nie irgendwie gewaltsam vorzugehen“.

M
an mag sich die Wohnungen, die den Weg ausmachen, etwa wie konzentrische Kreise vorstellen, doch muß man darauf achten, daß man das Bild nicht in ein Schema preßt. Solange der Mystiker nicht im ruhenden Mittelpunkt angelangt ist, gibt es ein Hin und Her, ein Vor und Zurück.



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Copyright © 1999 Pfr. B. Dietrich und Dr. M. Schwarten
Letzte Änderung am 19. März 1999 um 16:00