Das BewässerungsgleichnisMan mag sagen (ohne allerdings der sublimen Differenziertheit des Geschehens zwischen Gott und Mensch voll gerecht zu werden), dieser Weg habe vom Menschen her gesehen einen aktiven und einen passiven Teil. Teresa macht das nicht nur in der Beschreibung der Wohnungen deutlich, sondern schon in ihrem anderen berühmt gewordenen Gleichnis, für welches sie im Mystik-Leitfaden Osunas die Anregung fand.10 Sie übernimmt dessen Bild von der Bewässerung eines Gartens -, nach ihrer spezifischen Erfahrung - unverändert, indem sie vier Arten der Bewässerung (vgl. Vida 1 1, 7) nennt: 1. Mit menschlicher Kraftaufwendung wird ein voller Eimer Wasser aus einem tiefen Brunnen gezogen 2. Der Gärtner bedient sich eines Schöpfrades, womit sich die Anstrengung verringert. 3. Wasser aus einem Fluß oder Bächlein wird in den Garten geleitet, wodurch sich die Ersparnis der zu verwendenden Energie noch einmal vergrößert. 4. Der Herr Gartenbesitzer, also Gott, läßt Regen niederfallen und nimmt damit dem Menschen alle Mühe ab. Dieses Gleichnis steht in Teresas Vida, die sie verfaßt, als sie noch nicht zur Unio mystica gelangt war. Die Innere Burg hingegen schrieb sie erst 1577, als sie schon fast fünf Jahre lang die Erfahrung der geistlichen Vermählung gemacht hatte.
Letzte Änderung am 19. März 1999 um 16:00 |