Selbsterkenntnis


Die erste Wohnung kann nur betreten, wer sich in der Selbsterkenntnis, das meint, der Anerkenntnis der eigenen Unwürdigkeit übt. Diese Forderung gilt auch für alle übrigen Wohnungen. Teresas zahllose Beteuerungen der eigenen Unwürdigkeit offenbaren die mystische Dialektik: je geringer die Verfehlungen werden, um so schwerer wiegt das Bewußtsein um diese Verfehlungen. Immer noch bleibt aber im Falle Teresas ein starkes Verhaftetsein der Welt gegenüber bestehen.

Welche Gebetsarten prägen nun diesen ersten Grad? Teresa differenziert hier bereits nach Veranlagungen. Für einige wird das sogenannte

„mündliche Gebet“

das beste sein. Es ist dies ein Gebet mit vorgegebenen Worten, die man tatsächlich ausspricht, liest oder nur denkt. Wesentlich ist, daß man weiß, an wen man diese Worte richtet. Man muß die Augen auf Christus gerichtet halten, der im Innern des Kristalls (der Burg) als liebender Bräutigam wartet. Aus dieser menschlichen Anstrengung ergibt sich zuweilen bereits ein fließender Übergang hin zur sogenannten

„Betrachtung“.

Teresa versteht darunter das Durchdenken und Durchfühlen einer Situation aus dem Leben Christi, eines Bibeltextes und das Ziehen von Rückschlüssen auf das eigene Leben.

Ihr selbst fiel diese Gebetsart wohl schwer, weshalb sie immer auf die Mühen des „Wasserschöpfens“, hinweist.

Sie zieht es vor, nach kurzer geistlicher Lesung sich den Herrn zu vergegenwärtigen und sich innerlich frei mit Ihm zu unterhalten. Teresa warnt vor der Überheblichkeit, andere richten zu wollen, aber auch vor zu harten Bußwerken, die der Gesundheit schaden und irgendwo den eigenen Hochmut oder die geistliche Gefallsucht durchscheinen lassen. Demut ist ihrer Ansieht nach das eigentliche Fundament des ganzen Gebäudes (der Burg).



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Copyright © 1999 Pfr. B. Dietrich und Dr. M. Schwarten
Letzte Änderung am 19. März 1999 um 16:00