SeelengrundDie siebte Wohnung wird (wie bei Juan de la Cruz) von der bildlosen Schau der göttlichen Trinität eingeleitet (7 Mor. 1, 7). Durch unmittelbare Erkenntnis und Erleuchtung erfährt die eintretende Braut das Geheimnis der dreipersönlichen Einheit und die Konzentration dieses Geheimnisses in Christus. Sie erkennt, daß dieser dreieinige Gott in ihrem tiefsten Seelengrund (en lo interior de su alma 7 Mor. 1, 8) wohnt und sich nun auch ihrem bewußten Leben auf immer verbindet. Man sieht hier das letzte Geheimnis bildlos, mit den Augen der Seele, schreibt Teresa (7 Mor. 1, 7). Es ist aber nicht nur eine bildlose Schau. In Metaphern gesprochen (denn anderes Sprechen ist hier undenkbar) ist es eine Vermählung, eine geistliche Hochzeit. Der in diese Wohnung eingegangene Mensch hat von nun an ständig Anteil am Leben und Lieben Gottes. Trinität ist nur ein anderer Ausdruck für Liebe. Und wieder erinnert sich Teresa an das von ihr bevorzugte Element des Wassers, wenn sie schreibt: Es ist, als ob Wasser vom Himmel in einen Fluß oder Brunnen fällt (7 Mor. 2,6). Darum hören auch Ekstasen und sonstige paranormale Erscheinungen der sechsten Wohnung, die noch auf ein gewisses Ungleichgewicht schließen ließen, in der siebten Wohnung auf. Nichts kann mehr den inneren Frieden rauben oder stören: Was diese Wohnung von den vorhergehenden unterscheidet, ist das: Hier gibt es fast nie mehr geistige Dürre und keine inneren Beunruhigungen, ... sondern die Seele ist fast immer in Ruhe (7 Mor. 3, 10). Und doch ist Teresa wachsam: Subjektiv hat sie das Gefühl, diese Vereinigung sei so langlebig und unlöslich wie die einer Ehe. Objektiv weiß sie, daß gemäß der Lehre der Kirche niemand seines Heils gewiß sein darf. Sie spricht daher von der Erfahrung, daß sie aus der Unio mystica noch hin und wieder, wenn auch kaum länger als einen Tag, herausfalle. Auch die mit Gott vereinte Seele ist immer noch Geschöpf, also nicht frei von Fehlern und läßlichen Sünden. An manchen Tagen, berichtet Teresa, gestattet Gott sogar dem giftigen Gewürm der ersten Wohnungen, sich zusammenzurotten (7 Mor. 4, 1) und in Richtung auf die siebente vorzudringen. Die Dialektik von Leid und Freude zieht sich somit bis in die letzte Wohnung durch. Teresa, Realistin genug, erzählt selbst in dieser letzten Wohnung noch von den Betrübnissen, die daraus resultieren, daß sie nie so viel für Gott und die Menschen tun kann, wie sie gerne möchte. Denn dieses Wollen ist ein übermenschliches und gereicht ihr gleichzeitig zu Glück und Qual. Auf einen einfachen Nenner gebracht, wäre dieser teresianische Weg dann etwas, was sie in ihren Gewissensberichten (Cuentas de Consciencia) dem Herrn selbst in den Mund legt: No trabajes tú de tenerme a Mí encerrado en ti, sino de encerrarte tú en Mí (CC. 15,3 - Suche nicht, mich in dich, sondern dich in mich einzuschließen). Oder wie sie es poetisch formuliert 14:
Letzte Änderung am 19. März 1999 um 16:00 |