Erfahrungsrealismus


Dieser Art also sind Teresas „mystische Höhenflüge“. Man spricht gern von einem Realismus der Erfahrung.13

Der Mystiker ist auf dieser Stufe an seinem eigenen Heil wenig interessiert („Selbstvergessenheit“). Was ihn antreibt, ist einzig die Ehre und Verherrlichung Gottes und das Heil des Mitmenschen.

Der Weg endet immer gleichzeitig im Bild der Marta und Maria: „Marta und Maria müssen beisammen sein, um den Herrn beherbergen zu können“ (vgl. 7 Mor. 4,14). Der mystische Mensch sitzt also dem Herrn zu Füßen, aber er bereitet ihm auch Speisen.

Unter „Speisen“ versteht Teresa das Apostolat, das möglichst viele Menschen für Gott und seine Sache gewinnt. Äußere Ruhe gibt es kaum noch: „Diese Seelen empfangen die Ruhe in ihrem Innern nur, um sie im äußeren Leben um so weniger zu haben“ (7 Mor. 4, 1 1).

Aus dieser mystischen Verbindung müssen Kinder = Werke entstehen: „Darauf, meine Töchter, zielt das innere Gebet, und dazu dient auch die geistliche Vermählung, daß daraus Werke, Werke geboren werden“ (7 Mor. 4,6).

Teresa lebte dies vor und nahm dafür auch Verleumdungskampagnen in Kauf: Von höchsten kirchlichen Würdenträgern wurde sie wiederholt angegriffen, des Bruchs der Klausur und der Übertretung der Ordensregel bezichtigt sowie (vom päpstlichen Nuntius Felipe Sega) als „ruhelose Herumtreiberin“ bezeichnet.



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Copyright © 1999 Pfr. B. Dietrich und Dr. M. Schwarten
Letzte Änderung am 19. März 1999 um 16:00